Männer:

Andreas Tölzer +100 kg

Portrait: Andreas Tölzer
Geboren am: 27.01.1980
Größe: 1,93 m
Beruf: Sportsoldat
Graduierung: 5. Dan
Aktiv seit: 1989
Trainer: Daniel Gürschner, Andreas Reeh
Verein: 1. JC Mönchengladbach
1. Trainer: Klaus Kirste
1. Verein: JV Swisttal

Als „Bulle von Gladbach“ wird er gern bezeichnet. Andreas Tölzer, Schwergewichtler mit 145 Kilo Gewicht – durchtrainiert, muskelbepackt. Der Athlet, der 2001 bereits auf den WM-Matten von München stand und dort Siebter wurde, hat mit seinen beiden WM-Vize-Titeln in den letzten beiden Jahren Geschichte geschrieben. Als Weltranglisten-Zweiter steht er nun für Olympia im ganz engen Favoritenkreis. Wird er wieder im Kampf gegen den Franzosen Teddy Riner stehen?

Über Andreas Tölzer:

Seine Erfolgsgeschichte ist lang. Bereits 1998 war er Junioren-Europameister, ein Jahr später noch einmal Vize. Gleich danach stieg er bei den Männern erfolgreich ein.

2004 dann seine ersten Olympischen Spiele in Athen mit Platz Sieben. Europameister 2006, immer wieder Medaillen bei Super-A- bzw. nun den großen Welt-Turnieren und dann der Paukenschlag 2010, als er Vize-Weltmeister wurde und sich im Finale nur dem französischen Star Teddy Riner geschlagen geben musste. Das Gleiche dann noch einmal in Paris 2011.

Dabei hatte er einst eine ganz klare Motivation zum Judo zu kommen. Zwei ältere Brüder hat Andreas Tölzer. Und da blieb es nicht aus, dass auch mal die Fetzen flogen. „Meine Eltern wollten, wenn wir uns drei Jungs schon zu Hause raufen, dass es nach Regeln stattfinden soll. Deshalb haben sie uns zum Judo geschickt“, gibt er eine einleuchtende Begründung für seinen Judo-Anfang.

Dabei hat er vorher nichts weiter an Sportarten professionell ausgeübt. Aber noch heute betätigt er sich zum Ausgleich auch in anderen Sparten. Fußballspielen zum Beispiel.

Als er 1997 auf einer Deutschen Meisterschaft der U18 Bronze geholt hatte, bekam er ein Anschreiben überreicht, dass er in die Sportfördergruppe gehen könne. „Das habe ich genutzt und bin dann gleich im Jahr drauf Junioren-Europameister geworden“, berichtet er über einen großen Motivationsschub in seiner Karriere. „Und ich denke, dass ich mich ab diesem Zeitraum mehr und mehr für den Leistungssport interessiert habe.“

Die Erfolge in seiner Laufbahn gaben im Recht. Für ihn ist aber auch unheimlich wichtig, dass sich seine Eltern von Anfang an für seinen Sport und seine Erfolge interessiert haben und ihn immer wieder begleitet haben. „Meine Verwandten und mein Freundeskreis unterstützen mich und reisen oft mit. So hoffe ich, dass der eine oder andere auch jetzt nach London mitkommt.“

Neben seiner sportlichen Entwicklung hat Andreas Tölzer nun auch seine persönliche Entwicklung vorangetrieben. „Ich habe im April meinen Abschluss an der Trainerakademie Köln gemacht und bin jetzt Diplomtrainer“, erzählt er nicht ohne Stolz. Er kann sich den Beruf als Trainer gut vorstellen und will dies nach seiner leistungssportlichen Laufbahn angehen, „um meine Erfahrungen weitergeben zu können“, sagt er.

Für die Olympischen Spiele hat er sich viel vorgenommen. Es war erst einmal für ihn wichtig, dass er in der Weltrangliste weit vorn steht, um eine günstige Ausgangsposition zu haben. „Das ist mir nun gelungen und nun kann ich Teddy so weit wie möglich aus dem Weg gehen“, ist er froh, dass dieses Zusammentreffen mit dem großartigen Franzosen hoffentlich erst im Finale möglich ist.

Die Situation bei den letzten Olympischen Spielen war völlig anders als in diesem Jahr. „2008 war ich noch einer, der aus dem Mittelfeld kommt. Heute bin ich einer der Mitfavoriten“, macht er den Druck deutlich, der inzwischen auf seinen Schultern lastet. „Da ergibt sich eine ganz andere Ausgangssituation. Jetzt bin ich mit der Gejagte, und ich möchte nun natürlich auch zeigen, dass ich als Gejagter erfolgreich bin.“

Bis zu den Spielen bleibt ihm auch noch eine Weile Zeit, sich intensiv auf dieses mögliche Treffen vorzubereiten. Derzeit scheint es, als ob Andreas Tölzer der einzige Schwergewichtler auf der Welt ist, der mit einem guten Rezept in der Lage sein könnte, auch einen Superstar wie Teddy Riner zu schlagen.

 

Nach den Olympischen Spielen ist dann endlich erst einmal Erholung angesagt. Zunächst Regeneration gemeinsam mit der Nationalmannschaft, „danach zwei, drei Wochen abschalten, Urlaub machen.“

Vielleicht bleibt ihm dann auch noch ein wenig mehr Zeit, seinen Hobbies zu frönen. „In meiner Freizeit spiele ich gerne Karten, sowohl Skat, Poker oder anderes, eben recht gerne in Gesellschaft, ansonsten geh ich auch gern mal ins Kino oder auch mal feiern.“ Allerdings sind dies eher seltene Momente. „Wenn es die Zeit zulässt, das ist aber nicht häufig“, schiebt er vorsichtig hinterher.

Trotzdem es bereits seine dritten Olympischen Spielen sind, wird Andreas Tölzer dem Leistungssport noch eine Weile erhalten bleiben. „Ich habe als Ziel die WM in Rio 2013“, formuliert er seinen nächsten Meilenstein.


Text: Birgit Arendt
Foto: Mausolf

Sportliche Erfolge:

2006 Europameister in Tampere
2009 7. Platz Weltmeisterschaften Rotterdam
2. Platz Grand Slam Moskau
2. Platz Grand Prix Tunis
2010 2. Platz Weltmeisterschaften in Tokio
3. Platz Europameisterschaften in Wien
3. Platz Grand Slam Tokio - Kano-Cup
1. Platz Grand Prix Abu Dhabi
3. Platz Grand Prix Tunis
2011 2. Platz Weltmeisterschaften in Paris
3. Platz IJF-Masters in Baku
1. Platz Grand Prix Düsseldorf
1. Platz Grand Prix Amsterdam
2012 3. Platz IJF-Masters in Almaty
1. Platz Grand Prix Düsseldorf

Fragen an Andreas Tölzer:


Wie schaffst Du es, Deinen inneren Schweinehund zu überlisten?

Ich belohne mich immer wieder für erfüllte Aufgaben.


Was gefällt Dir an Dir besonders?

Mein Durchsetzungsvermögen und das ich mich körperlich immer noch weiterentwickeln, mich verbessern kann.


Auf welche eigene Leistung bist Du besonders stolz?

Auf meine Eigentumswohnung. Es erfreut mich sehr in meinen eigenen vier Wänden zu wohnen.


Gibt es ein
Ritual vor dem Wettkampf? Welches?

Wenn ich am Mattenrand stehe, halte mir die Hände vors Gesicht um dann vollkommen in mich zu gehen und mich vollkommen zu konzentrieren. Dabei gehe ich die ersten Schritte und Gedanken des Wettkampfes durch, atme drei Mal tief ein und aus und klopfe mir noch die Beine ab - dann geht’s auf die Matte.


Was magst Du an Dir gar nicht?

Meine Verletzungsanfälligkeit nervt mich.


Welchen Satz hasst Du am meisten?

Ich mag kein Hassen, das ist mir viel zu negativ.


Wie kannst Du am besten
entspannen?

In der Sauna und beim Sonnen.
Ein Tag im Mediterana in Köln ist wie ein Tag Urlaub im Süden - für mich perfekt.


Was ist Deine Lieblingsspeise, die Du Dir wünschst, wenn Du nach Hause zu den Eltern kommst?

Putenschnitzel oder Rumpsteak mit Kartoffeln und Spargel


Worüber kannst Du am meisten lachen?

Ich lache sehr gerne am liebsten mit Freunden zusammen.


Als Kind wollte ich sein wie...?

Kann ich mich nicht mehr genau dran erinnern, ich wollte aber mal Lkw-Fahrer werden, weil man da so viel reisen kann.


Wem würdest Du mit welcher Begründung einen Orden verleihen?

Jedem der sich über einen Orden wirklich freut.


Was ist für Dich eine Versuchung?

Ich mag es sehr in gemütlicher Runde ein Bier zu trinken.


Schenke uns (D)eine Lebensweisheit:

Wenn man hinfällt immer wieder aufstehen.
Nach einer Niederlage kurze Selbstreflexion und dann sich verbessern.

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